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Zeppelin-Brief Nr. 69

 

Inhaltsverzeichnis:
Mitgliederversammlung 2016 und andere Termine
Vorwort / Manfred Bauer
Freundeskreis zur Förderung des Zeppelin Museums schenkt Sammlung im Wert von 1,8 Millionen Euro der Stadt Friedrichshafen / Friederike Lutz
Mitgliederfahrt 2016 am 24. September 2016 / Rainer Fischbach
Strom-Linien-Form / Jürgen Bleibler
Unser Ehrenvorsitzender Manfred Sauter erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland / Martin Demel
1996 – 2016: 20 Jahre Zeppelin Museum im Hafenbahnhof / Claudia Emmert
80 Jahre Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main / Jessica Siebeneich
Mit dem Ballon in die Höhe / Friederica Ihling
Lady Zeppelin – Zum 70. Todestag der Journalistin und Pilotin Lady Grace Drummond-Hay (1. September 1895 – 12. Februar 1946) / Barbara Waibel
Am Tag der Archive – Beeindruckende Einsichten in fast verborgene Tätigkeiten und Schätze im Zeppelin-Archiv / Manfred Bauer
Deutsche Zeppelin-Reederei GmbH / Andrea Fischer
Neue Satzung des Vereins Freundeskreis zur Förderung des Zeppelin Museums e.V.
Hans-Peter Kaldenbach feierte am 3. Mai 2016 seinen 70. Geburtstag / Manfred Bauer
Wolfgang von Zeppelin wird 80 Jahre alt / Manfred Bauer
Zeppelin-Haus am Bodensee im Wandel der Zeiten / Ellen Liebold
Schätze aus dem Depot des Zeppelin Museums: Die Gondel des LZ 1 / Jürgen Bleibler
Metallwerk Friedrichshafen – Keimzelle der heutigen Zeppelin GmbH / Manfred Sauter
Oberingenieur Karl Walter über den Bau des „Trumpf“-Reklameluftschiffes / Karl Walter
In Memoriam Hubert Horn / Manfred Bauer
Zeppelin hält Kurs / Auszüge aus der Zeppelin Pressemitteilung und Leo Bucher
Die Luftschiffmodelle im Zeppelin Museum Friedrichshafen / Henry Wydler
Das DO.labor im Dornier Museum Friedrichshafen / Julia Menzer und Ingo Weidig
Zeppelin-Büchermarkt – Neuerscheinungen 2015–2016
Der Zeppelin-Kalender 2017 – Magie des Lichts
Einladung zur Ausstellung des Freundeskreises

Liebe Mitglieder des Freundeskreises zur Förderung des Zeppelin Museums, liebe Zeppelinfreunde,

es war schon eine kluge, weitsichtige und nachhaltige Entscheidung des damaligen Gemeinderates von Friedrichshafen mit Oberbürgermeister Bernd Widmann vor nahezu 30 Jahren, das „neue“ Zeppelin Museum im Hafenbahnhof
unterzubringen.

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Hafenbahnhof im Umbau
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Vorangegangen war die Gründung des Freundeskreises zur Förderung eines Zeppelin Museums auf Initiative von Otto P. W. Hüni im Jahre 1982 mit dem Ziel, „der Persönlichkeit des Grafen Zeppelin, sein Wirken und seine Werke sowie seine Hinterlassenschaft einem würdigen und angemessenen Angedenken zuzuführen und zu erhalten … und Mittel für die Errichtung einer Erinnerungsstätte, nämlich eines Zeppelin Museums zu fördern“ (Auszug aus der Satzung). Aufgerüttelt durch diesen auf inzwischen 1000 Mitglieder angewachsenen Freundeskreis, wenn man so will einer Bürgerinitiative für ein „richtiges“ Zeppelin Museum, wurde zwei Jahre später vom Häfler Gemeinderat,
damals unter Oberbürgermeister Martin Herzog ein Sonderausschuss „Neues Zeppelin Museum“ gebildet.

In alten Zeppelinbriefen des Freundeskreises aus dieser Zeit sind tolle und spannende Ideen und Visionen über Standort und Aussehen eines solchen Zeppelin Museums aufgezeichnet und dargestellt. Ich erinnere mich noch an den Vorschlag eines „Alt-Zeppeliners“, man könne doch auf der sogenannten Hüni-Wiese ein Zeppelin Museum in Form eines riesigen Luftschiffes errichten.

Aber es ist in den Zeppelin Briefen und in den Zeitungen auch zu lesen, welches Ringen in den Institutionen der Stadt und den Unternehmen es war, dieses große und „teure“ Ziel in Angriff zu nehmen. Als Glücksfall ergab sich, dass der Hafenbahnhof durch die Deutsche Bundesbahn im Jahre 1988 zum Verkauf stand. Die Stadt kaufte im Jahre 1990 den Hafenbahnhof mit dem Ziel, dort ein Zeppelin Museum zu errichten und auch die Kunstabteilung des Bodensee-Museums zu integrieren. Nach den großzügigen Um- und Einbauten, man denke an die 40 m lange Rekonstruktion eines Teils des LZ 129 „Hindenburg“ mit der kostspieligen Innenbemalung der Passagierräume, konnte genau vor 20 Jahren, am 2. Juli 1996 und gleichzeitig am 96. Jahrestag des ersten Aufstieges eines Zeppelin-Luftschiffes das neue Zeppelin Museum seine Pforten öffnen.

Die Hoffnungen in dieses neue Zeppelin Museum wurden in den letzten 20 Jahren voll erfüllt. Der alte Hafenbahnhof, an sich schon als Kunstwerk im Bauhausstil errichtet, bildet die ideale Bühne für eine einzigartige Museumsinszenierung, die innerhalb seiner Mauern die Synthese von Technik mit der weltweiten ‚Zeppelin-Luftschifffahrt‘ und Kunst verkörpert.

Beim Zustandekommen dieses Zeppelin Museums mit der inzwischen neuen Konzeption und einem einzigartigem Archiv zur Zeppelin-Geschichte hat der Freundeskreis mit seinem Vorstand und seinen Mitgliedern in erheblichem Maße in den vergangenen Jahrzehnten mitgewirkt. Wir sind stolz auf dieses „kleine Deutsche Museum für den Grafen“ und freuen uns auf das Jubiläum „20 Jahre Zeppelin Museum im Hafenbahnhof“, aber auch auf weitere erfolgreiche Jahrzehnte unseres Museums.

Zu diesem Jubiläum passt auch sehr gut, dass unser langjähriger Vorsitzender und nun Ehrenvorsitzender Manfred Sauter im Auftrag von Bundespräsident Joachim Gauck durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Hier wurden sein Eintreten für das Zeppelin Museum wie auch die Erhaltung und Sammeltätigkeit von Zeppelin-Exponaten im Besonderen gewürdigt.

Wie bei der letzten Mitgliederversammlung schon berichtet wurde, hat der Freundeskreis seine Sammlung an Zeppelin-Exponaten der Stadt Friedrichshafen geschenkt. Es wurde damit eine jahrzehntelange Rechtsunsicherheit
beseitigt – im vorliegenden Zeppelinbrief wird die Notwendigkeit dieser Schenkung nochmals ausführlich erläutert und begründet.

Nachdem unsere Satzung über fast 30 Jahre unverändert geblieben ist, haben wir nun auf Anraten der Fachleute einige Anpassungen vorgenommen. Die Änderungen werden hier im Zeppelinbrief dargestellt und wir bitten bei der Mitgliederversammlung um Ihre Zustimmung.

Nachdem Manfred Sauter als Aufsichtsrat und Mitglied der Gesellschafterversammlung des Zeppelin Museums ausgeschieden ist, mussten von Seiten des Freundeskreises personelle Änderungen vorgenommen
werden. Der Vorstand hat beschlossen, dass Manfred Bauer Mitglied der Gesellschafterversammlung wird und der stellvertretende Vorsitzende Leo Bucher als Mitglied des Aufsichtsrats nachrückt. Wir freuen uns auf gute Zusammenarbeit und gutes Wirken zum Wohle unseres Zeppelin Museums.

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Rekonstruktion von LZ 129 im Aufbau
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Wir freuen uns über die Gedankenspiele des neu gegründeten Maybach Freundeskreises, am Bodensee eine Maybach-Sammlung aufzubauen und vielleicht als Ziel ein Maybach Museum zu errichten. Mit dem Zeppelin Museum, dem Dornier Museum, einem Maybach Museum sowie der Sammlung der Zahnradfabrik Friedrichshafen wäre allen Pionieren der Mobilitätsgeschichte, die in Friedrichshafen und Umgebung ihre größten Spuren hinterlassen haben, ein lebendiges Denkmal gesetzt. Und im weitesten Sinne wäre mit dem Traktoren- und Automuseum in Uhldingen- Mühlhofen und dem Hymer-Museum in Bad Waldsee hier am Bodensee und in Oberschwaben eine „Museumsmeile der Technik“ mit Abzweigungen zur Kunst- und Sozialgeschichte vorhanden, die wahrscheinlich ihresgleichen sucht.

Vor 80 Jahren, im März 1936 fanden die ersten Fahrten des neuen und größten jemals gebauten Passagierluftschiffes LZ 129 „Hindenburg“ statt. Mit der Indienststellung war man damals fast am Ziel, mit mehreren solchen Zeppelin-Luftschiffen einen regelmäßigen Luftschiffverkehr nicht nur nach Nord- und Südamerika durchzuführen, sondern vielleicht auch in andere Erdteile. Mich persönlich erfüllt es auch mit Stolz, dass bei diesen ersten Fahrten, sowie auch bei den weiteren Fahrten des LZ 129 „Hindenburg“ mein Vater als Besatzungsmitglied mit an Bord war. Leider wurden die Visionen eines Weltluftschiffverkehrs abrupt beendet, man kann rätseln, ob die Ursache das Hindenburg-Unglück oder der Zweite Weltkrieg war. Aber es waren für die damalige Zeit spannende und aufregende Visionen.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei der Mitgliederversammlung am 9. Juli mit der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Vom Glück des Findens – Highlights aus über 20 Jahren Sammeltätigkeit des Freundeskreises“. Wir freuen uns auch auf Anregungen und nette Gespräche an diesem Abend im Zeppelin Museum bei einem Glas Wein oder Bier.

Im Namen des Vorstandes
Ihr Manfred Bauer

Freundeskreis schenkt Sammlung im Wert von 1,8 Millionen

Dank des Freundeskreises zur Förderung des Zeppelin Museums ist die städtische Kunst- und Techniksammlung größer geworden

Bereits vor Weihnachten hat der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen die Schenkung des Vereins im Wert von mehr als 1,8 Millionen Euro, inklusive vieler historisch und wissenschaftlich bedeutsamer Objekte, angenommen. Jetzt wurde die im Zeppelin Museum betreute Sammlung der Stadt nochmals offiziell übergeben.

1982 hatte die Gründung des Freundeskreises den Anstoß zur Schaffung eines neuen Zeppelin Museums in Friedrichshafen gegeben, das die viel zu kleine Zeppelin-Abteilung im städtischen Bodenseemuseum ablösen sollte. Die Gründung initiierte der Friedrichshafener Unternehmer Otto P. W. Hüni. Die Schaffung eines Museums, das der Bedeutung der Zeppelingeschichte für die Stadt Friedrichshafen auch in der internationalen Wahrnehmung gerecht werden sollte, wurde als oberstes Ziel des Vereins in die Satzung aufgenommen.

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Vor dem Paradestück der Freundeskreissammlung, dem Maybach Zeppelin DS 8 von 1938, treffen sich zur Übergabe (von links) Dr. Claudia Emmert, Jürgen Bleibler (beide Zeppelin Museum), Manfred Bauer und Leo Bucher  (Freundeskreis), Bürgermeister Andreas Köster und Ernst Weinert (Freundeskreis).
Foto: Friederike Lutz

Wichtige Schritte auf dem Weg zum heutigen Zeppelin Museum waren der Kauf des Hafenbahnhofs durch die Stadt Friedrichshafen. Ein echter Glücksfall, dem die Entscheidung des Gemeinderates folgte, dort das zukünftige Zeppelin Museum einzurichten.

Der Aufbau dieses einzigartigen und international bedeutenden Museums erfolgte mit großer finanzieller und ideeller Unterstützung durch den Freundeskreis. Seit der Gründung der Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH hält der Freundeskreis als Gesellschafter 30 Prozent der Anteile, die restlichen 70 Prozent liegen bei der Stadt.

Nahezu von Anfang an unterstützte der Freundeskreis das Zeppelin Museum durch seine umfassende Sammeltätigkeit zu allen Aspekten der Luftschiffgeschichte. Schon 1996 wäre die Einrichtung des Zeppelin Museums ohne die Sammlung des Freundeskreises, ohne die Finanzierung von Modellen oder der Wandbemalung in der Rekonstruktion von LZ 129 „Hindenburg“ nicht möglich gewesen. Mit der 2014 fertiggestellten kompletten Neukonzeption der Zeppelin-Abteilung ist der Freundeskreis als Sammler noch präsenter in der Ausstellung, weil hier viele Exponate des Freundeskreises mit eingebunden wurden.

Der Freundeskreis sammelt seit 1987 historische Objekte und Archivalien rund um das Thema Zeppelin. Allein zwischen 1987 und 2001 erwarb der Freundeskreis Exponate im Wert von rund 1 Million Euro, zwischen 2001 und 2015 wurden 370.000 Euro für die Sammeltätigkeit aufgewendet. Umfangreiche Nachlässe konnten für die wissenschaftliche Forschung in Friedrichshafen gesichert werden, wie beispielsweise die komplette Sammlung Hengstenberg für 51.000 Euro. Glanzstück der Sammlung des Freundeskreises ist aber die Luxuslimousine Maybach Zeppelin DS 8 von 1938.

Die Bestände, die in den vergangenen Jahren vom Freundeskreis in enger Absprache mit dem Zeppelin Museum angeschafft wurden, umfassen einzigartiges Sammlungsgut und wichtige Quellen zu allen Aspekten der internationalen Luftschiffgeschichte und zur Geschichte des Zeppelin-Konzerns. Deshalb sind diese Bestände ein wesentlicher Grundpfeiler der wissenschaftlichkritischen Arbeit des Zeppelin Museums und des Archivs der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, die in Forschungen, Ausstellungen, Publikationen oder Vorträge einfließt und letztendlich allen zu Gute kommt.

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Weltkarte im Aufenhaltsraum der Rekonstruktion von LZ 129
Foto: Kathrin Wurzer

Ein Beispiel unter vielen ist die wichtige Abteilung zur Luftschifffahrt im Ersten Weltkrieg. Die Bereitschaft des Freundeskreises, schon seit Jahren zu diesem Thema in Exponate von großer historischer Aussagekraft wie private Fotoalben, Tagebücher oder Ausrüstungsgegenstände zu investieren, hat es im Rahmen der Neukonzeption ermöglicht, einen völlig neuen und zeitgemäßen Blick auf dieses lange vernachlässigte Thema zu richten. Alle zwei Jahre werden die Neuerwerbungen des Freundeskreises in einer Ausstellung im Zeppelin Museum gezeigt. Danach bleiben sie im Museum, wo sie inventarisiert, fachgerecht gelagert und erforscht werden. Der Freundeskreis behält selbst für eigene Projekte Zugriff auf die Sammlung. Sie ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Dauerausstellung, sondern bereichert immer wieder auch die Wechselausstellungen.

Der Freundeskreis ist mit Recht stolz darauf, diese einmalige Sammlung von nicht messbarem wissenschaftlichen Wert für die Bewahrung und Weiterentwicklung der Zeppelingeschichte in Friedrichshafen zusammengetragen zu haben.

Oberbürgermeister Andreas Brand und der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen freuen sich darüber, dass der Schwebezustand, der bisher beispielsweise hinsichtlich des Versicherungsschutzes der Bestände herrschte, nun einvernehmlich geregelt werden konnte. Die Bedeutung Friedrichshafens als internationales Zentrum der historischen und der modernen Luftschifffahrt wird durch die Schenkung weiter gestärkt.

Manfred Sauter erhält das Bundesverdienstkreuz

Unser Ehrenvorsitzender Manfred Sauter erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland

Im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart erhielt der Ehrenvorsitzende unseres Freundeskreises zur Förderung des Zeppelin Museums aus der Hand von Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Bundesverdienstkreuz.

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Manfred Sauter
Foto: Peter V. Sauter

In einer sehr feierlichen Veranstaltung am 5. Dezember 2015 bekamen insgesamt nur 23 Menschen aus Baden-Württemberg das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Manfred Sauter lud zu dieser Ehrung neben seiner Frau Elisabeth und seinem Sohn Peter Valentin auch seine Enkelin Anna Zinser und als besondere Ehre – auch Jürgen Bleibler, Leiter der Zeppelin-Abteilung des Zeppelin Museums und Martin Demel, Schriftführer unseres Freundeskreises ein. Die Anzahl der Einladungen ist vom Staatsministerium aus beschränkt, der Marmorsaal fasst nur eine begrenzte Zahl Menschen.

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Oberbürgermeister Andreas Brand im Gespräch mit Manfred Sauter
Foto: Martin Demel

Eingeladen war auch der Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, Andreas Brand. Er reiste trotz weiterer Termine und Verpflichtungen an diesem Tag nur zu dieser Feier extra vom Bodensee aus an, um Manfred Sauter zu seinem Engagement in Sachen Zeppelin zu danken, das zu dieser Ehrung führte.

Diesen Tag nutzte Manfred Sauter als echten „Feiertag“: Zusammen mit seiner Familie reiste er am Vormittag per Zug nach Stuttgart an. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es dann zusammen zum Neuen Schloss, heute in der Mitte der Fußgängerzone in Stuttgarts Mitte gelegen. Als die Staatskarosse mit Ministerpräsident und Begleitschutz am Schlossplatz ankam, startete die Veranstaltung mit klassischer Musik in klassischen Räumen.

Zwei junge Musiker umrahmten die Feier mit Piano und Cello. Winfried Kretschmann nahm sich Zeit, auf die Verdienste aller Preisträger einzugehen und jeden vorzustellen. Er lies es sich auch nicht nehmen, Manfred Sauter nach der Laudatio das Bundesverdienstkreuz in Vertretung des Bundespräsidenten persönlich ans Revers zu heften und die Verleihungsurkunde zu übergeben. Bedanken durften sich die Preisträger nicht während der Zeremonie – weitere Reden waren nicht vorgesehen. Zum Abschluss konnten alle Preisträger mit ihren Gästen im Spiegelsaal des Neuen Schlosses zusammenstehen und bei Getränken und Buffet Eindrücke austauschen und das neue Ehrenzeichen bewundern.

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Die Geehrten mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Manfred Sauter rechts oben
Foto: Martin Demel

Seine Rede begann der Ministerpräsident mit folgenden Worten: „In Friedrichshafen nennt man ihn Mister Zeppelin – Manfred Sauter steht für die Zeppelin-Tradition in Baden-Württemberg und ist ein Glücksfall für alle Freunde der Luftschifffahrt. Hobby und Beruf gingen bei ihm eine fruchtbare Symbiose ein, als er in den 70er Jahren bei der Luftschiffbau Zeppelin GmbH die Betreuung des Firmenarchivs übernahm. Heute ist das LZ-Archiv eine einzigartige Quelle, die die Geschichte der Luftschifffahrt umfassend dokumentiert. Geradezu detektivisch hat er in seiner Freizeit wichtige Sammlerstücke aufgespürt und archiviert.

Manfred Sauter war ab 1990 25 Jahre lang Vorsitzender des Freundeskreises zur Förderung des Zeppelin-Museums Friedrichshafen. Sehr erfolgreich hat er die Werbetrommel für das neue Aushängeschild der Stadt Friedrichshafen im alten Hafenbahnhof gerührt. Beim Ankauf wichtiger Sammlerstücke war sein Urteil unentbehrlich. Er verantwortete die regelmäßig erscheinenden Zeppelin-Briefe, hielt Kontakt zu Zeppelinern weltweit, schuf Netzwerke, organisierte Sonderausstellungen zu den Neuerwerbungen des Fördervereins und betreute Veranstaltungen wie den traditionellen Zeppelin-Tag bei der IBO in Friedrichshafen.“

Das Thema Zeppelin fällt überall auf fruchtbaren Boden. Nach der Veranstaltung wurde Manfred Sauter von Gästen als Mister Zeppelin angesprochen. Mit dem Stichwort Zeppelin kann jeder etwas anfangen und tauscht sich gerne über Luftschiffe, Personen und Geschichte aus.

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Manfred Sauter mit seiner Frau Elisabeth und Jürgen Bleibler
Foto: Martin Demel

Der Vorstand des Freundeskreises und alle Mitglieder gratulieren sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung, die sich Manfred Sauter über Jahrzehnte verdient hat. Auch wir im Freundeskreis haben von seinen Kenntnissen und aufgezeigten Zusammenhängen erfahren und diese nutzen können. Danke und herzlichen Glückwunsch!

1996 – 2016: 20 Jahre Zeppelin Museum im Hafenbahnhof

Eine vorausschauende Retrospektive

Ist es ein Jubiläum oder ist es keines? Diese Frage haben wir ganz kühn außen vor gelassen und entschieden: bestimmte Ereignisse sollte man einfach immer wieder feiern, und dazu gehört zweifelsohne die Eröffnung des Zeppelin Museums im Hafenbahnhof am 2. Juli 1996.

So wie der Zeppelin Luftschiffbau, hat auch das Museum seither Geschichte geschrieben. Alles begann mit der Hochzeit eines ungleichen Paares im Jahr 1960: das Städtische Bodenseemuseum, mit Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart als Mitgift, sagte ja zum Firmenmuseum der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Die frisch angetraute Technikabteilung zog bei der Kunst ein, in den vierten Stock des Museumsflügels im neuen Rathaus. Die damals geschlossene Ehe durchlief, wie kann es anders sein, so manche Höhen und Tiefen, doch sie war sehr fruchtbar und sie hält – bis heute. Bisheriger Höhepunkt des Zusammenlebens von Technik und Kunst war der Umzug ins eigene Haus: In den Hafenbahnhof, der von Jauss + Gaupp als Museum konzipiert und um einen preisgekrönten Neubau ergänzt wurde.

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Der ehemalige Hafenbahnhof während des Umbaus
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Dr. Wolfgang Meighörner hat als Gründungsdirektor das Museum im Hafenbahnhof 10 Jahre lang geprägt. Unter seiner Leitung war die Sammlungspräsentation Technik thematisch gegliedert, und Dr. Dirk Blübaum zeigte die Kunstsammlung in einer chronologischen Abfolge. 2008 folgte Dr. Ursula Zeller als Direktorin des Museums. In ihrer Zeit wurde die Techniksammlung vollständig von Jürgen Bleibler und seinem Team in Kooperation mit Barbara Waibel und dem LZ Archiv überarbeitet.

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Maschinengondel des LZ 127 „Graf Zeppelin“
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Jetzt können die Besucher des Museums die Geschichte der Luftschifffahrt chronologisch und eingebettet in einen internationalen Kontext erfahren. In der Kunstabteilung entschied sich Frank-Thorsten Moll für eine thematische Konzeption.

Heute haben wir unter meiner Federführung das Zeppelin Museum 3.0 ausgerufen. In dieser Phase soll das Museum in Wechselausstellungen relevante gesellschaftliche Diskurse aufgreifen, die die Sammlungen von Technik und Kunst an die Gegenwart anschließen. Dazu haben wir die verfügbare Fläche verdoppelt und präsentieren die interdisziplinären Themenschauen nun jeweils auf 1.000 Quadratmetern. „Möglichkeit Mensch. Körper | Sphären | Apparaturen“ bildet den spektakulären Auftakt dieser neuen Themenreihe. In dieser Ausstellung geht es darum, wie der Mensch die ihm gesetzten Grenzen mithilfe technischer Errungenschaften immer weiter verschiebt und sich so neue Handlungs- und Lebensräume erschließt.

Dazu haben wir Exponate aus der ganzen Welt nach Friedrichshafen geholt: beispielsweise die Piccard-Kugel aus Brüssel, die Raumkapsel und der Raumanzug von Felix Baumgartner kommen im Juni direkt aus Kanada, ein Roboter von Hiroshi Ishiguro kommt direkt aus Osaka, Videokunst von Ryan Trecartin aus New York und BioArt von Eduardo Kac aus Brasilien.

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Besucher bei Eröffnung in der Eingangshalle
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Am Samstag, 2. Juli 2016 feiern Technik und Kunst tapfere 56 Jahre Ehe und den 20. Jahrestag im Hafenbahnhof. Dazu möchten wir Sie schon heute sehr herzlich einladen. Zahlreiche Führungen und Workshops für alle Altersgruppen werden an diesem Tag geboten, außerdem zeigt der Freundeskreis im ZeppLab eine Ausstellung mit Exponaten der Techniksammlung, die er für unser Museum erworben hat. Ab 18 Uhr werden wir dann über die Zukunft, also das Zeppelin Museum 4.0 sprechen. Auf der Basis dessen, was war, stellen wir die Frage: wie geht es weiter? Auf dem Podium diskutieren Manfred Sauter, Ehrenvorsitzendes des Freundeskreises Zeppelin Museum, Andreas Brand, Oberbürgermeister, Dr. Wolfgang Meighörner, Gründungsdirektor, Jürgen Bleibler, Leiter der Abteilung Zeppelin, und ich als Direktorin des Museums. Wagen Sie mit uns den Blick zurück nach vorn!

Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit, wusste schon Wilhelm Busch. 2017 lockt bereits mit einem neuen Anlass des Gedenkens: das Todesjahr von Ferdinand Graf von Zeppelin jährt sich zum 100. Mal. Daher wird die Sommerausstellung 2017 den Titel „Kult!“ tragen und die Frage ins Zentrum stellen: Warum und wie konnten die Zeppelin Luftschiffe den Kultstatus erlangen, den sie heute immer noch haben? Die Ausstellung untersucht kritisch die Strategien zur Verkultung des Zeppelin Luftschiffs, den Zeppelin als Marketing-Phänomen mit unterschiedlichen Ausprägungen in verschiedenen Ländern. Dabei wird auch die besondere Rolle des Luftschiffs LZ 127 „Graf Zeppelin“ und Hugo Eckeners beleuchtet.

Zugleich jährt sich zum 80. mal das Unglück des LZ 129 „Hindenburg“ im Jahr 1937. Durch das dramatische Ende der kommerziellen Passagierluftschifffahrt mit Starrluftschiffen hat sich das Bild der brennenden „Hindenburg“ in das globale Gedächtnis eingeschrieben. Auch zeitgenössische Künstler beziehen sich immer wieder darauf. So werden im zweiten Teil der Ausstellung Themen und Strategien der Verkultung in der zeitgenössischen Kunst analysiert.

Beide Ausstellungsaspekte kulminieren in einem übergreifenden Projekt. Der Künstler Ottmar Hörl wird die Figur des Zeppelinbrunnens in eine Installation aus 1.000 farbigen Skulpturen übersetzen. Das Zeppelin Bübchen auf der Weltkugel steht für die globale Entwicklung der Friedrichshafener Industrie, ausgehend vom Luftschiffbau. Es steht aber auch für Friedrichshafen selbst, hat es doch wie durch ein Wunder alle Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs inmitten von Trümmern unbeschadet überstanden.

Die Figuren von Ottmar Hörl werden in einem aufwendigen Prozess in Deutschland, nach deutschem Qualitätsstandard gefertigt und bestehen aus hochwertigem, wetterfestem Kunststoff, ein zeitgemäßes Material, das heute unter anderem im Flugzeugbau eingesetzt wird. Die Figuren sind jeweils monochrom eingefärbt. Die Farben werden vom Künstler im Laufe des Projekts ausgewählt. Alle Skulpturen erhalten eine Einprägung mit dem Künstlernamen: HÖRL. Die Installation mit den Figuren wird als Teil der Ausstellung „Kult!“ von Mai bis Oktober 2017 im Zeppelin Museum zu sehen sein.

Die an das Zeppelin Bübchen angelehnte Figur wird etwa 38 cm hoch sein und kann unsigniert zum Subskriptionspreis (gilt bis zum Ende der Ausstellung) von 60 Euro, danach regulär für circa 80 Euro erworben werden. Eine signierte Skulptur kann zum Subskriptionspreis von 120 Euro, danach regulär für circa 160 Euro gekauft werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie dieses Projekt durch den Erwerb einer Skulptur unterstützen könnten. Einen Prospekt mit Bestelloption werden wir Ihnen so früh wie möglich zukommen lassen.

Mit diesem Projekt ehren wir 2017 die Leistungen von Ferdinand Graf von Zeppelin und schreiben die Geschichte der Produktion von Sammlungsstücken, Souvenirs und Devotionalien, die Sie in unserer Wunderkammer bestaunen können, in der Gegenwart fort.

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Zeppelinbrunnen
Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen